Best of Babel

Best of Babel

war der Auftakt zu einer Projektreihe, die sich aus dem Arbeitskreis zum Thema „Turmbau von Babel" gebildet hat. Ein Kreis von Musikern, Psychologen, Sprachwissenschaftlern, Bildenden Künstlern, Videographen und Literaten fand sich zusammen. Ihr gemeinsames Anliegen: Sie wollten ihrer Faszination an der biblische Geschichte vom Turmbau zu Babel nachgehen. Die Zusammenführung unterschiedlicher Arbeitsweisen der wissenschaftlichen und künstlerischen Diszi­plinen stellte bei der engen Zusammenarbeit eine besondere Herausforderung dar. Die Beteiligten haben bewusst die Annäherung an das Thema Babel über verschie­dene Perspektiven gesucht, um in der Mehrgleisigkeit und häufig auch Konfrontation kreative Potentiale aufzudecken.

Sich einem Gott nähern, Himmel und Erde verbinden. Ein Unterfangen der Unmöglichkeit, der Ewigkeit. Der Turm zu Babel wird immer aufs Neue gebaut, erweitert, erhöht, zerstört, Wieder werden Fundamente gesucht, um das Bauwerk, mit der Hoffnung der Vollendung, zu errichten. Ziegel sind zu formen und zu brennen, es gilt sie aufzuschichten und mit Mörtel zu verbinden, um einen noch nie gesehenen Bau zu schaffen, höher und höher. Zerstörung ! Und das "eine" Volk sprach unendlich viele Sprachen und sie konnten nicht einander verstehen und zerstreuten sich in alle Richtungen. Und immer werden sich die Menschen mit unterschiedlichen Sprachen sammeln und "eine" Sprache finden, und "ein" Volk sein und einen Turm bauen. Eine Welt-wunder-bau-werk. Es wird zerstört werden und die Menschen werden wieder viele Sprachen sprechen. Der Turmbau zu Babel ist eine Geschichte die sich immer und immer wiederholt. Eine unendliche Spirale der Träume von EINS. Die Spirale repräsentiert die Sprache in der Zeit und ihre unaufhörlichen Wirrungen.

Der Anfang von Best of Babel

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Zu Beginn traf sich die Arbeitsgruppe, zu der Mary Noele Dupuis, Ursula Eva Diebold, Harold Dielmann, Winfried Heil und Karl Heinz Marohn gehörten, einmal im Monat in der Universität Köln, Erziehungswissenschaftliche Fakultät. Das Interesse kreiste zunächst um die aktuelle politische Bedeutung angesichts der Zersplitterung im Osten, konzentrierte sich dann auf den sprachlichen Aspekt und die Thematik des gottnahen Turmbaus.
Mit fortdauernder Auseinandersetzung zeichnete sich ab, dass ein jeder im Arbeitskreis sein individuelles Verständnis von Babel entwickelte. Die Fülle der Anregungen und Ideen konnten in dem monatlichen Termin bald nicht mehr bewältigt werden. Wöchentliche Treffs fanden statt. Die Ideen konkretisierten sich und fanden im kleinen Kreis ihr Publikum. Nach einem Jahr Zusammenarbeit entschloss sich die Arbeitsgruppe Babel mit einem ersten ausgereiften Konzept, mit dem Titel BEST OF BABEL, an die Öffentlichkeit zu gehen.

Oben: "Spezialisierungen", Karl Heinz Marohn

 

 

Rechts: "GOTT TOT Punkt", Winfried Heil

Alle Welt hatte nur eine Sprache und dieselben Laute.
Der Grundgedanke der Transformationsgrammatik liegt in der Rückführung der
Oberflächenstrukturen aller sagbaren Sätze auf wenige abstrakte Kernsätze, wobei die
nach festen Regeln vorgenommen werden.

Der Ziegel diente ihnen als Baustein, das Erdpech als Mörtel.
Der obere Totpunkt ist diejenige Lage eines Getriebegliedes, in der dieses durch
Richtungswechsel momentan die Geschwindigkeit Null hat, z.B. die Umkehrlage de
Kolbens einer Kolbenmaschine.

Der herab fuhr, um den Turm anzuschauen
der Grundgedanke der Transformationsgrammatik ist
diejenige Lage eines Getriebegliedes auf wenigen
abstrakten Kernsätzen, wobei die Umformungen nach festen Regeln vorgenommen werden.

Und nichts von dem, was sie vorhaben, wird unmöglich sein.
Der obere Totpunkt liegt in der Rückführung der Oberflächenstrukturen aller
sagbaren Sätze, deren momentane Geschwindigkeit Null ist, z.B. durch
Umformungen nach festen regeln.

So wollen wir uns einen Namen machen, damit
die Umkehrlage der Transformationsgrammatik eines Getriebegliedes in dem
Richtungswechsel weniger abstrakter Kernsätze liegt, in denen Kolben einer
Kolbenmaschine vorgenommen werden.

Darum heißt die Stadt BABEL, wobei
die Geschwindigkeit von Oberflächentotpunkten die momentane Rückführung von
festen Strukturumformungen aller sagbaren Regeln auf Null ist.

D.h. Wirrwarr, nämlich
die Richtungskerne einer Kolbengrammatik sind nicht in der Lage die Umkehrungen
von Getriebestrukturen vorzunehmen,
wobei der Gedankentot aller Maschinensätze die
Transformationsgeschwindigkeit Null hat.
Dadurch wird die Formumlage der Oberflächenglieder aller sagbaren Wechselsätze
vorgenommen.

momentan z. B. ist Gott Tot Punkt.

 

Best of Babel       Hochschule für Musik, Köln

Mit einer anderen Gestaltung von Wort, Ton und Bild brachte BEST OF BABEL  in der Musikhochschule Köln den Mythos von der baby­lonischen Urkatastrophe ins Wanken. Beteiligt am Abriss haben sich Ulrich Humpert, Ursula Diebold, Markus Kreuzheck, Inge Kamps, Paulo Chargas, Harold Dielmann, Manos Tsangaris, Winfried Heil, Mary Noele Dupuis und Karl Heinz Marohn. Jeder der Arbeiter arbeitete in seinem Beitrag mit dem Medium seiner Wahl. Mittels Klangübertra­gungen, Videoprojektionen, lautmalerischem Gesang und Sprachkompositionen steuerten die Mitwirkenden eine ungewöhnliche Dimension von Kommunikation an. Die Seh- und Hörgewohnheiten wurden ironisch übersteigert, entlarvt und teilweise ganz unterlaufen. Die zehn BABEL-Mitarbeiter hatten ein Programm zusammengestellt, das manchmal schrill, manchmal minimalistisch ist, aber immer alle Sinne in Anspruch nahm.

Namenlose Zeichen, unter diesem Titel habe ich versucht in meiner Arbeit vier Aspekte einzubinden: Bewegung, Bild, Raum und Klang. Zehn Tafeln, unterschiedlicher Größe, stehen auf der Bühne. Am Anfang nur schwarze Flächen. Jede Tafel ist ein Resonanzkörper, d.h. die Tafeln sind nicht massiv, sondern bilden einen Hohlkörper. Als Tonabnehmer sind, an der Rückseite der Tafeln, Mikrofone befestigt. Diese leiten die Tonsignale zu einem Mischpult. Die Hochschule für Musik bot die Möglichkeit die Klänge quadrophonisch wiederzugeben. Als erster Arbeiter betrat ich die Bühne und zeichnete mit Kreide Kreise auf eine Tafel, danach betraten zeitversetzt neun weitere Akteure die Bühne und begannen ebenfalls, mit Kreide, unterschiedliche Bewegungen auf die Tafeln zu bannen. Die Geräusche, die die Kreide auf den schwarzen Flächen erzeugte, wurden als Klang im Konzertsaal übertragen. Die Arbeiter verließen dann wieder zeitversetzt die Bühne. Ich selbst ging als letzter. Zurück blieb eine Installation aus zehn bemalten Tafeln und einer Leiter.

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Neben meiner Arbeit wurden noch folgende Arbeiten aufgeführt:

"Petrarca meets Babel", ein Hörspiel von Ulrich Humpert.

"The journey", eine Videografie mit Musik von Inge Kamps und Paulo Chargas. Mar8G

"a priori" eine Performance von Harold Dielmann und Manos Tsangaris.

"Fucking Guy", Performance von Mary Noele Dupuis. Mar10G

"Ohne Worte" ein Video mit Musik von Ursula Diebold und Markus Kreuzberg.

"Tod der Volksrede", Performance von Winfried Heil. Mar9G

Made in Kalk, Best of Babel 2, Gepäcktunnel, Köln

In dem Gepäcktunnel fand die Arbeit von "Babel" ihre Fortsetzung. Im Gegensatz vom Turm von Babel, der sich maßlos in den Himmel streckt, erkennt man in dem Tunnel eine horizontale Variante des Mythos. Der Turm ist eine freche Herausforderung göttlicher Allmacht, also eine Tat des offenen Ungehorsams; der Tunnel dagegen bedeutet eine Subversion im Verborgenen. Der Tunnel kippt und untergräbt den Turm. Während der Turm Stein auf Stein wächst (Addition), bedeutet das Tunnelgraben eine Tilgung von Material (Subtraktion). Der ehemalige Gepäcktunnel war eine verlassene, verdreckte, feuchte Leere. In ihm war das Grollen und Donnern der darüberfahrenden Züge noch spürbar, aber der Takt des Fahrplans und das Tempo des Verkehrs fand keine Bedeutung. Anstelle dieser Alltagsgeräusche entwickelte die Röhre eine eigene, bedeutsame Akustik.

Die Alphörner von Kalk

In meiner Arbeit für den Gepäcktunnel positionierte ich zwei Alphornbläser jeweils an einem Ende des sechzig Meter langen Tunnels. Ich wollte, angelehnt an die Trompeten von Jericho, den Tunnel zum Einsturz bringen. Dazu komponierte ich eine Abfolge von Klängen, die langsam und leise beginnend, immer kräftiger, schneller und lauter wurden, bis sie sich in der Mitte des Raumes verwirbelten und überlagerten und so einen Eindruck einer akustischen, zerstörerischen Kraft vermittelten. Alles war in diesem Klangchaos hörbar, der Krieg, Donner, Blitz, das Geschrei der Verletzten und der Niedergang.

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Das Ende von Best of Babel

Ein drittes Projekt TurmBotschaftKalk wurde nicht mehr realisiert, was zum einen an der Finanzierung lag, aber auch daran, dass sich die Mitarbeiter zerstritten. So fand Babel seinen Vergleich.

„Dann wollen wir eine Stadt bauen mit einem Turm,
dessen Spitze in den Himmel ragt. So wollen wir uns
einen Namen machen, damit wir uns nicht über die
ganze Erde hin zerstreuen."

Veröffentlicht in Allgemein.